Es begann damit, dass er einfach keine Ausscheidung mehr hatte. Das fiel ihm erst nach ein paar Tagen auf. Da bemekte er, dass er auch keinen Durst mehr hatte und auch keinen Appetit. Er war höchst beunruhigt und ging zum Arzt. Aber der konnte nichts feststellen und tippte auf etwas Psychosomatisches. Als nächstes fiel ihm auf, dass er nicht mehr schwitzte. Sein Körper verlor seinen Geruch. Kurz bevor er unhörbar wurde, musste er so laut schreien, dass er heiser wurde, um überhaupt noch entdeckt zu werden. Schließlich verblasste er zusehends und wurde unsichtbar. Damit endete sein Leben aber nicht, im Gegenteil, es begann erst. Als er unzugänglich war dem Urteil der anderen, konnte er selber das Urteilen einstellen. Und so begann er sein Verschwinden als Gnade zu begreifen.
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Gnade
Geschrieben von Grimm - 9.08.2009
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Noch mehr Rilke
Geschrieben von Grimm - 8.12.2008
Aus irgendwelchen Gründen habe ich noch eine Rilke-Aufnahme gemacht, die neunte Elegie.
Ich habe jetzt eine eigene Seite aufgemacht, mit allen Aufnahmen. Wenn es so weitergeht, kommen ja vielleicht noch welche dazu…
Warum Rilke? Das ist schwer zu sagen. Es ist die Sprache. Mir ist so eine Sprache, so eine im ureigensten Sinn kreative Sprache, noch nie zuvor begegnet. Zwischen, unter, hinter den Worten entsteht eine neue Wirklichkeit. Man ist nicht immer aufmerksam genug dafür. Aber manchmal versteht man. Und dann – ist es ein mystisches Erlebnis.
Tatsächlich gibt es nicht wenige, die Rilke für einen mystischen Dichter halten. Ganz ohne Zweifel hat er etwas erfahren, etwas Besonderes, das sich bei ihm unter anderem im Wort “Engel” ausdrückt.
Rilke hat sich unglaublich verändert im Laufe seines Schreibens. Seine frühen Gedichte, die ich zuerst lieben gelernt habe, atmeten deutlich Romantisches, fin-de-siècle-Stimmung, décadence, Melancholie, Wehmut – sprachlich zum Teil wenig originell. Aber schon der frühe Rilke hat oft die besondere Ahnung.
Dann kam ein spanischer Zwischenfall. Rilke begegnete, sah, was er später den “Engel” nannte.
Der späte Rilke ist ein souveräner Herr der Sprache. Auch wenn seine Werke unter Mühen entstehen: Seine Sprache hat die Barrieren überschritten. Auch die Barrieren der Verständlichkeit? Vielleicht.
Die Elegien hab ich ebenfalls schon früh kennen gelernt. Aber nichts davon verstanden. Schade, fand ich. Wo sie doch so schön klingen. Wirklich hundertemale habe ich sie gelesen inzwischen, und immer wieder, Stück für Stück, erschloss sich mir etwas. Und das war zugleich etwas in mir selber.
Noch immer gibt es viel zu erschließen…
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Zwanzig Minuten Leben
Geschrieben von Grimm - 18.11.2008
Ich bin in der Planung eines Projekts zum Jahrestag der Zerstörung Würzburgs am 16.03.45. Die Stadt wurde dabei innerhalb von 20 Minuten zu 90 Prozent zerstört, schätzungsweise 5000 Menschen kamen ums Leben, genaue Zahlen weiß man nicht, weil Würzburg eine Lazarettstadt mit vielen ungemeldeten Personen war.
Es soll keine Zeitzeugen-Geschichte werden, so was gibt es schon. Obwohl es natürlich immer wieder berührend sein kann. Ich will aber etwas machen, das mit der gegenwärtigen Situation zu tun hat. Mit dem Gefühl, das mich öfters beschleicht, wenn ich durch Würzburgs Straßen gehe: dass hier etwas nicht stimmt, weil hier etwas verborgen liegt, zugedeckt, schnell überbaut, das noch nicht abgeschlossen ist. Eine traumatisierte Stadt.
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Texte und Kommentare
Geschrieben von Grimm - 17.11.2008
Sämtliche Texte auf dieser Seite – wie auch die anderen Texte auf meiner Homepage – können, dürfen, sollen kommentiert werden.
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Gottes Narren, die zweite
Geschrieben von Grimm - 16.11.2008
Die zweite Vorstellung des bei der Premiere so kontrovers aufgenommen Stücks ist über die Bühne gegangen. Vielleicht weniger kontrovers? Weil ich gefälliger gespielt habe? Weil die Leute wussten, was auf sie zukommt? Hm… Danach gabs noch die Möglichkeit zum Gespräch, die auch von vielen genutzt wurde. Für mich ein sehr guter Gedankenaustausch, ein hilfreicher. Ich bin neugierig, wie sich das Stück weiter entwickelt, denn klar ist: Die Gestalt rundet sich zwar irgendwann, unveränderlich aber wird sie nie. So etwas wie Unveränderlichkeit existiert nicht…
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