grimmblog

was markus grimm bewegt

Archiv für die Kategorie ‘Transpersonal’

Die Bestie

Geschrieben von Grimm - 19.02.2009

Alt ist die Bestie, älter als der Mensch, der sie in sich trägt. Aus Vorzeiten steigt sie mir in mein Blut herauf. Vor meinem Denken war sie, vor meinen Wörtern, vor meinen ängstlichen Ängsten.

Jenseits von Gut und Böse ist sie, weder Feind noch Versucher, die gehören zur Welt des Menschen, doch die Bestie nicht.

Meine Knochen sind nicht meine Knochen, sondern ihre, mein Fleisch ist ihres, und mein Denken spaziert arglos über sie hin wie auf dem Rücken eines Urweltgeschöpfes.

Und bisweilen springt sie auf und schüttelt alle Kartenhäuschen von sich, un-vermittelt, un-mittelbar, in-stinktiv, sofort hellwach, bereit zu Verteidigung, Angriff und Tod.

Sperr sie ein, und wie ein Raubtier im Käfig wird sie jeden Tag gefährlicher.

Die Bestie ist mein Wappentier, mein Streitpferd, mein natürlicheres Selbst, meine unbarmherzige Wucht. Sie ist das pure Handeln. Alle Kraft ist die Bestie. Gib ihr die Savanne und lass sie laufen.

Veröffentlicht in Leben und Tod, Neues Bewusstsein, Schamanismus, Transpersonal | 14 Kommentare »

more Traherne

Geschrieben von Grimm - 31.01.2009

The world is a mirror of Infinite Beauty, yet no man sees it. It is a Temple of Majesty, yet no man regards it. It is a region of Light and Peace, did not men disquiet it. It is the Paradise of God. It is more to man since he is fallen than it was before. It is the place of Angels and the Gate of Heaven.

Noch ein Text von Traherne, von mir nachgedichtet:

Ewigkeit war greifbar hier im Licht des Tags, und hinter jedem Ding erschien ein Grenzenloses: das sprach zu meinem Schauen und rührte mein Verlangen.
Die Stadt, so schien mir, lag im Garten Eden oder war erbaut im Himmel. Die Straßen waren mein, der Tempel war mein, die Menschen waren mein, ihre Kleider und Gold und Silber waren mein, und auch ihr strahlendes Auge, die helle Haut, das raue Antlitz. Die Himmel waren mein, genau wie Sonne, Mond und Sterne, und alle Welt war mein, und ich ihr einziger Betrachter und Genießer.
Ich kannte nicht mehr kleinliche Regel, nicht mehr Schranke noch Abteilung; denn jede Regel und Abteilung waren mein: jeder Schatz sowohl wie dessen Herr. So sehr war ich verdorben von zu viel Getöse und musste lernen all die trüben Ordnungen der Welt. Die entlern ich nun und werde wieder wie ein kleines Kind, dass ich hineingehe in Gottes Königreich.

(Eternity was manifest in the light of the day, and something infinite behind everything appeared: which talked with my expectation and moved my desire.
The city seemed to stand in Eden, or to be built in Heaven. The streets were mine, the temple was mine, the people were mine, their clothes and gold and silver was mine, as much their sparkling eyes, fair skins, and ruddy faces. The skies were mine, and so were the sun and moon and stars, and all the world was mine, and I the only spectator and enjoyer of it.
I knew no churlish proprieties, nor bounds nor divisions; but all proprieties and divisions were mine: all treasures and the possessors of them. So that with much ado I was corrupted; and made to learn the dirty devices of this world. Which I now unlearn, and become as it were a little child again, that I may enter into the Kingdom of God.)

Thomas Traherne (1636/37 – 1674)

Veröffentlicht in Meditation, Neues Bewusstsein, Transpersonal | 3 Kommentare »

Holotropes Atmen

Geschrieben von Grimm - 24.01.2009

Holotropes Atmen ist eine von Stan und Christina Grof entwickelte therapeutisch-sprituelle Methode. Durch eine spezielle Atemtechnik – schnelleres und tieferes Atmen – gelangt man in einen leichten bis tiefen Trancezustand, in dem das Alltagsbewusstsein mit all seinen Wertungen und Distanzierungen zurücktritt und etwas anderes an Tageslicht kommen kann, Unbewusstes oder Überbewusstes. Dieses andere, was Gestalt wird, ist immer schon verborgen da. Oft handelt es sich um traumatische Erlebnisse, die verdrängt wurden, und nun die Möglichkeit bekommen, zu heilen. Oft sind es Erlebnisse, die mit Erinnerungen, eigenen oder fremden, zu tun haben. Es kommt aber auch zu transpersonalen Erlebnissen, zu sprituellen Erfahrungen (s. Transpersonale Psychologie). Erfahren wird immer nur das, was aktuell nötig oder möglich ist, damit der Mensch heiler wird.

Das Holotrope Atmen unterscheidet sich von drogeninduzierten bewusstseinsverändernden Methoden dadurch, dass die Trance nie so tief ist, dass man aus dem Prozess nicht mehr aussteigen könnte. Man bewahrt immer ein doppeltes Bewusstsein.

Ein Atemprozess dauert durchschnittlich zwei bis vier Stunden. Der Atemprozess wird unterstützt und angeregt durch (laute) Musik, die die verschiedenen Phasen des Prozesses begleitet.

Das Atmen geschieht in einer vollkommen geschützten Atmosphäre. Jeder Atmende hat einen Begleiter (sitter) an seiner Seite, der ihn schützt, der ihm hilft, der ganz auf seine Bedürfnisse eingeht, der ihm ganz zugewandt ist. Erfahrene und ausgebildete Therapeuten überwachen den Prozess und greifen helfend ein. So entsteht ein Raum, in dem alles gedurft wird, weinen, lachen, schreien, schweigen, tanzen, ruhen, alles. Und alles ohne Einschränkung.

Das Holotrope Atmen ist für mich eine der Schlüsselerfahrungen auf meinem Weg. Die Entwicklungen, die Heilungen, die hier in Gang gekommen sind, wären durch eine Psychotherapie nicht zu erreichen gewesen, vermutlich nicht einmal nach Jahren.

Ein häufig auftauchendes Phänomen im holotropen Atemprozess ist das Wiedererleben der eigenen Geburt. Stan Grof hat gezeigt, dass sich an das Geburtstrauma gern andere, oft traumatische Erinnerungen gleichsam anlagern. Die Geburt mit ihren verschiedenen Phasen ist ein Muster und Bild für viele Übergangssituationen. Harmonische, symbiotische Einheit im Mutterleib – Beengung, ganz physisch, Todesangst während der Austreibungphase, in der das Alte endet und ein Neues noch nicht erkennbar ist – Erlösung und neues Leben nach der Geburt. Ich habe das auch erfahren. Das bewusste Nacherleben ist heilend. Ich habe gelernt, wie viel der Säugling wahrnimmt, wie viel Furcht, wie viel Qual. Das Erinnern ist der Beginn der Befreiung.

Ich wurde mit der Nabelschnur um den Hals geboren. Ich habe Todesängste ausgestanden, auch nach der Geburt noch, ich fühlte mich, als würde ich sterben. In einem anderen Atemprozess habe ich erlebt, wie ich als fünf- oder sechsjähriges Kind von zwei Männern ergriffen und erhängt wurde. Das Strangulationsgefühl macht plötzlich, auf kaum näher zu erklärende Weise, Sinn. Es ist ein altes Trauma, das sich fortsetzt und wiederholt, bis es ins Bewusstsein dringt. Dann kann es heilen. Dieses Beispiel lässt die Wirkungsweise des Holotropen Atmens vielleicht erahnen.

Es geht beim Holotropen Atmen um Heilung in einem sehr weiten Sinn. Der biographisch traumatsierte Mensch kann heil werden. Aber auch das Gefühl der Trennung von Gott, welchen Namen auch immer ich für ihn habe, ist im weiteren Sinn ein Trauma, und auch das kann heilen. Es ist sehr vieles möglich beim Holotropen Atmen.

Veröffentlicht in Neues Bewusstsein, Transpersonal | 17 Kommentare »

Freiheit und Illusion

Geschrieben von Grimm - 19.01.2009

Freiheit ist das Ende der Illusion, unfrei zu sein.

Illusion bedeutet nicht, dass etwas nicht ist, sondern dass es anders ist, als es aussieht. Der Illusionist lässt die Dame schweben, aber in Wirklichkeit schwebt gar nichts, da sind nur ein paar gut versteckte Drähte. Wenn man sie entdeckt, lacht man sich schlapp über so einen simplen Trick.

Veröffentlicht in Neues Bewusstsein, Transpersonal | 5 Kommentare »

no skin available

Geschrieben von Grimm - 16.01.2009

Der Extremdenker und -handler Ken Wilber schreibt, er habe sich für das Verfassen seines opus magnum “Eros, Kosmos, Logos” drei Jahre lang in seinem Haus eingeschlossen und zu keinem Menschen Kontakt gehabt. Er erzählt, er habe regelmäßig jeden Morgen erst einmal bitterlich geweint, und sein schlimmster Schmerz war der schiere Verlust jedes Hautkontaktes.

Haut. Lebensnotwendig für den Säugling, wissenschaftlich erwiesen. Aber für den erwachsenen, autonomen, vollsinnigen Menschen? Haut? Mein Vater hat immer wieder den Witz gemacht, die Haut heiße Haut, weil man darauf haut. So hatte er es wohl erlebt.

Haut. Oberfläche. Kontaktstelle. Berührung. “Ich weiß, ihr berührt euch so selig, weil die Liebkosung verhält, weil die Stelle nicht schwindet, die ihr, Zärtliche, zudeckt; weil ihr darunter das reine Dauern verspürt”, sagt Rilke in der zweiten Elegie.

Eine Zeit lang bin ich dem Irrtum aufgesessen, ich müsse meinen Kindern in ihrer Wut oder ihrer Verzweiflung gut zureden. Mittlerweile habe ich entdeckt, dass das schlichte Streicheln und In-den-Arm-Nehmen jedes Problem komplett lösen kann.

Leiden wir unter einem Verlust an Haut? Sehen tun wir sie allenthalben. Aber die Berührung. Das feine Fühlen. Was geschähe mit uns, wenn wir ständig anderer Menschen Haut spüren könnten? Kriege, Hass, Verzweiflung? Was geschähe?

Veröffentlicht in Transpersonal | 29 Kommentare »

Weihnachten

Geschrieben von Grimm - 16.12.2008

Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht zu Weihnachten, Inkarnation und Reinkarnation. Der Text ist dann doch etwas länglich geworden…

Deshalb eine eigene Seite: Re- und Inkarnation.

Veröffentlicht in Neues Bewusstsein, Transpersonal | Kommentar schreiben »

Zwei Wege

Geschrieben von Grimm - 14.12.2008

Es gibt zwei Wege: den yogischen und den tantrischen.

Der yogische: Zieh dich zurück aus den Verstrickungen des Geistes. Werde klaren Bewusstseins. Des Bewusstseins, dass du Gott bist. Meditiere. Bete. Versenke dich in den Urgrund. Werde eins damit. Erkenne deine wahre Natur. Lass alle Täuschung fahren. Löse dich. Werde leidensfrei. Werde nie mehr wiedergeboren. Erkenne deine Unsterblichkeit. So wirst du frei.

Der tantrische: Tauch ein in die Verstrickungen des Geistes. Werde eins mit ihnen. Benutze sie. Gebrauch alles, was du kriegen kannst. Meditiere nicht. Lass dich täuschen und erkenne: Die Täuschung ist nichts anderes als Gott. Dein Körper ist es. Dein verstricktes Bewusstsein. Habe den Mut, ein verblendeter Buddha zu sein. Leide. Erkenne deine Sterblichkeit. So wirst du frei.

Ich wähle den tantrischen Weg.

Veröffentlicht in Leben und Tod, Transpersonal | 7 Kommentare »

Wer bin ich?

Geschrieben von Grimm - 14.12.2008

Meine Haut regeneriert sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit, wie man sehen kann, wenn eine Wunde heilt.

Jede Hautzelle wird ersetzt durch eine neue.

Aber das ich noch nicht alles. Jede einzelne Zelle meines Körpers wird im Laufe der Zeit ersetzt, jede noch so kleine Zelle in jedem noch so versteckten Organ meines Körpers. So dass nach ungefähr sieben Jahren (sieben, ja, so erinnere ich mich, es gelesen zu haben) jede der Milliarden Zellen meines Körpers neu ist. Von derselben Art, mit derselben Information, aber nicht dieselbe. Nicht dieselbe.

Wie kannst du da sagen: Mit sechs wurde ICH eingeschult?

Wer wurde eingeschult?

Und was macht dich glauben, DU wärst es gewesen?

Dein Gedächtnis, auch dein instinktives Gedächtnis täuscht dich über die Wahrheit. Die Wahrheit ist: du stirbst in jedem Augenblick. Und wirst in jedem Augenblick neu geboren. In jedem Augenblick.

Veröffentlicht in Leben und Tod, Transpersonal | 9 Kommentare »

Charon

Geschrieben von Grimm - 2.12.2008

Sitzen im Bus voller Menschen. Ich schaue und mit einem Mal: ich sitze in Charons Nachen, mitten auf dem Styx, unterwegs zum Hades. Wie fühlt es sich an, mit dem Fährmann der Toten überzusetzen?

Eine Entspannung, eine leise Traurigkeit, ein Einverstandensein, ein Immerschongewussthaben. Keine Spur von Angst. Alles in Ordnung, das letzte Stück der Reise schaukelt sanft, der Fährmann ist zwar dunkel, aber heiter, sein Schweigen ist freundlich. Es gibt nichts mehr zu sagen, endlich.

Ich bin nicht allein, der Nachen ist voll: alte Menschen, Studenten, eine Schulklasse, Eltern, Großeltern, Schwarze, Weiße – alle sind hier, auf der Barke der Toten. Es ist von einer eigentümlichen Schönheit, so zu sitzen und zu schauen. Und zu wissen, wohin die Reise geht.

Veröffentlicht in Leben und Tod, Transpersonal | Getaggt mit: , , | 3 Kommentare »

Wahnsinn, tantrisch

Geschrieben von Grimm - 28.11.2008

Ich sitze hier in einem Lokal in der Stadtmitte von Würzburg. (Ja, das ist wie beim Handy, wo man auch immer erst einmal sagt, wo man sich grade befindet.) In Würzburg herrscht heute Abend Ausnahmezustand, denn heut ist „lange Einkaufsnacht“ – ein kleiner Vorgeschmack auf die sog. Weihnachtszeit, die in Wirklichkeit eine Adventszeit ist, aber der Unterschied existiert im sog. Einzelhandel schon lange nicht mehr, nicht einmal mehr der Unterschied zwischen Spätsommer und Weihnachtszeit.

Und jetzt gibt es also zwei Möglichkeiten: den alljährlichen, alljährlich sich verschärfenden Irrsinn beklagen, sich davon entsetzt, empört, kopfschüttelnd abgrenzen. So hab ich es immer gehalten, und mit einigem Recht, nicht wahr. Oder: das Unglaubliche akzeptieren, dass das hier nichts anderes ist als das pure Menschsein. Hast du etwa geglaubt, Markus, das hier seien keine Menschen, die sich hier zusammenquetschen und durcheinanderschieben, die diese unsägliche Musik aus überdimensionierten Boxen erschallen lassen? Oh ja, das sind Menschen! Das ist Menschsein!

Heute Abend akzeptiere ich, das Bier vor mir mag es mir erleichtern, aber das schadet nichts. Ich kann akzeptieren. Das ist ein kleines Wunder. All diese Energie, die mir zuwiderläuft, ist trotzdem Energie. Starke Energie, menschliche Energie. All diese Energie – nimm sie auf, wehre dich nicht mehr dagegen, sauge sie in dich hinein, mit dem Duft von Glühwein und Bratwurst. Nichts daran ist verkehrt. Es ist die Energie des Kosmos, es gibt keine andere. Es ist – wun..? der..? bar..?

Ja, das ist es, aber es ist nicht wunderbar an der Oberfläche. Es ist wunderbar als Potenzial, als Ausdruck des Menschlichen. All das kann dich ebenso berühren wie ein Gedicht, ein Lied. Du musst nur akzeptieren, dass! Du! Das! Bist!

Veröffentlicht in Neues Bewusstsein, Transpersonal | Getaggt mit: , , , , , | 2 Kommentare »

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.