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was markus grimm bewegt

Archiv für Dezember 2009

Ende

Geschrieben von Grimm - 27.12.2009

Wenn das Jahr sich neigt,
wenn der Tag sich neigt,
wenn der Abend steigt,
verkleidet sich die Zeit als Abschied
und strebt doch voran.

Weder Fest- noch Innehalten.
Nicht Erinnern noch Verweigern
hält den Großen Wandler auf.
Ich entströme, ich zerrinne
meiner eignen Brust.

Dass ich dereinst lächeln werde
mit gespaltner Brust!
Schön und Schlimm zum Trotz lächeln:
weil alles mein war,
weil es ganz und einzig mein war.

Weil ich zugleich mit mir vergangen bin,
unwiederbringlich war und unaustauschbar.
Ich war mein Weh und meine Lust.
Wie kostbar war ich doch,
Empfinder dieses Daseins.

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Drauf geschissen

Geschrieben von Grimm - 19.12.2009

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: “Wer sein Leben festhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es behalten.”

Ich aber sage euch: Wer auf sein Leben scheißt, der wird es verlieren. Und wer nicht auf sein Leben scheißt, der wird es genauso verlieren. Ob du drauf scheißt oder nicht: du wirst es verlieren. Und?! Was passt dir daran nicht? Willst du ewig leben? Wahrlich, ich empfehle dir: Scheiß drauf, auf’s Scheißen und auf’s Nicht-Scheißen!

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Liebe

Geschrieben von Grimm - 16.12.2009

Liebe im herkömmlichen, gesellschaftlich akzeptierten und sanktionierten, durch Film und sonstige Medien propagierten Sinn ist in Wahrheit nichts anderes als: Geliebt-werden-Wollen.

Was legitim ist. Geliebt-werden-Wollen ist legitim, und nicht nur das: sondern lebensnötig.

Aber Liebe im eigentlichen Sinn?

Liebe ist nicht mehr und nicht weniger als deine Fähigkeit, du selber zu sein. Obwohl das egoistisch klingt, ist es Liebe. Denn Liebe ist Hingabe an das, was ist. Nicht an ein Ideal, nicht an das Bild einer Person, nicht an das Bild deiner selbst. Und das, was ist, bist zuallererst du-selbst. Und in dir-selbst existiert deine ganze Welt: deine Mitmenschen, die Natur, das Leben. Liebe ist Sein-Wollen, Sein-Dürfen und Sein-Lassen. Nichts anderes.

Alles andere ist auf die eine oder andere Weise: Selbstsucht.

Und? Was liebst du?

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Endlich

Geschrieben von Grimm - 14.12.2009

Wenn ich einmal in die Grube fahre,
blick ich hoffentlich auf all die Jahre
meines Lebens dennoch froh zurück
und erkenne dann: Es fehlt kein Stück.

Wie ich klein war, alles noch ganz rein war,
und wie alles, was ich sah, noch mein war.
Wie der Tod in meiner Nähe wohnte
und zu guter Letzt mich doch verschonte.

Wie ich älter wurde, in der Schule
und zuhause träumte auf dem Stuhle,
träumte in die Lüfte vor dem Fenster,
und im Traum gab’s keine Nachtgespenster.

Weiter ging es wie im Fluge: Jugend,
Winter, Sommer, Schulweg, virtus: “Tugend”,
fremde Mädchen dort und Jungen hier,
alles war mir fremd, sogar ich mir.

Studium, Umzug, vage der Gedanke:
Gab es einmal Heimat? – Gleichviel! Schwanke
weiter, junger Mensch, denn das erwarten
Menschen, seit der Flucht aus Edens Garten.

Menschen kamen, gingen, alles schwindet,
keiner findet Heimat, alles kündet
letzten Aufbruch, um den stets es geht
und um den das ganze All sich dreht.

Aufbruch ist das Letzte, was ich habe.
Aufbruch, das ist meine Dankesgabe
an das Leben, das sich immer wandelt,
und ich glaub, ich handle, doch es handelt.

Schwund und Reichtum, Gabe und Verlust.
Keine Ausflucht! Kein Pardon! Du musst
dem dich beugen, der dein Meister ist,
deinem Meister, der du selber bist.

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Advent/Weihnacht

Geschrieben von Grimm - 6.12.2009

Die Größe des Kosmos ist die Kleinheit des Menschen.
Was ist die Kleinheit des Menschen? Dass er sich für groß hält, ohne es zu sein.
Und wie kann diese Kleinheit die Größe des Kosmos sein?
Indem die Kleinheit die Größe erst groß sein lässt.

Und Jesus sprach: Wer nicht wird wie dieses Kind, der kann nicht eingehen in das Reich Gottes.

Der Große Kosmos ist dem Kleinen nicht ahnbar. Besser so.
Ahne nichts, Kleiner Mensch, so bist du am größten.

Nichts-Ahnen ist Advent. Und Nichts-mehr-sein-Müssen ist Weihnacht.

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