Was an Jesus so besonders ist
Verfasst von Markus am 5.08.2009
Dass er geboren wurde. Dass er gearbeitet hat. Dass er von Gott erzählt hat. Dass er von Gott geliebt war. Dass er von ihm verlassen wurde. Dass er gestorben ist.
Verfasst von Markus am 5.08.2009
Dass er geboren wurde. Dass er gearbeitet hat. Dass er von Gott erzählt hat. Dass er von Gott geliebt war. Dass er von ihm verlassen wurde. Dass er gestorben ist.
Mailin sagte
Dass er auferstanden ist. Bitte wenigstens das.
Markus sagte
Was ist daran besonders?
Mailin sagte
Was ist an dem Rest besonders? Ich meinte ja nur- wenn, dann wenigstens vollständig.
Markus sagte
Was an dem Rest besonders ist? Es ist besonders menschlich. Damit göttlich.
Mailin sagte
Was ist für Dich der Unterschied zwischen menschlich und göttlich? Gibt es einen? Und wenn nicht- warum dann zwei Begriffe?
Markus sagte
Kein Unterschied. Warum zwei Begriffe? Da musst du den Typen fragen, der die Sprache erfunden hat.
wessnet sagte
Hey, super: Alles Unerwähnte ist total normal? Dann geh ich mal schnell ins Juliusspital, morgendliches Krankenheilen und Tote auferwecken. Heute nachmittag hab ich dann noch Zeit zur Wetterbeeinflussung.
Mailin sagte
Schön, jetzt weiß ich wenigstens, dass meine Vermutung stimmt: Du hantierst mit allerlei theologischen Begriffen, die aber letztlich garnichts bedeuten. Wie wäre das: Mal versuchen, sich so klar auszudrücken, dass man möglichst gut verstanden wird? Etwa so: „Jesus war ein Mensch wie alle anderen auch und sein Gott ist ein menschlich erdachtes Subjekt, damit es ihm besser geht und die Menschen ihm nachlaufen.“
Markus sagte
@ Mailin
Siehs mal so: Je unklarer ich mich deinem Gehör nach ausdrücke, desto glatter kannst du mich als deinen Feind in ein Schubfach stecken. Das ist doch eine Steilvorlage. Was du da herformulierst, ist nicht im Mindesten das, was ich gemeint habe. Witzigerweise weißt du das sogar. Gott als erdachtes Subjekt… so ein einfältiges Zeug traust du mir gar nicht zu. Du reduzierst mich, um mich leichter zu bekämpfen, scheint mir. Nur zu! Ich bin der Antichrist!
Bedeutung von Begriffen. Nimm doch mal deinen Vorwurf an mich zum Anlass, die Bedeutung eigener Begriffe zu überprüfen, wie zum Beispiel „Jesus“ und „Christus“.
@ wessnet
Hast dus schon mal probiert? Krankenheilung, Totenerweckung, Sturmberuhigung? Wohl kaum. Warum nicht? Du glaubst gar nicht, dass du das könntest. Warum nicht? Sollte sich nämlich herausstellen, dass du wirklich göttliche Fähigkeiten besitzt, dann könnte Jesus für dich nicht mehr Herr und Meister sein und du nicht mehr sein Knecht – und das wäre eine Katastrophe. Warum? Weil es die unerbittliche Freiheit des Lebens wäre.
Mailin sagte
Nein, das bist Du nicht- aber Deine Worte bedeuten nichts.
Markus sagte
Natürlich bin ichs. Und natürlich bedeuten meine Worte nichts. Deshalb liest du sie ja auch nicht.
wessnet sagte
Wenn jemand durch ein Handeln meinerseits gesund werden würde, könnte es nur an mir liegen, nur an Gott oder an beiden.
Jesus hat Kranke geheilt. Seinen Jüngern sagte er voraus, dass sie in seinem Namen Größeres vollbringen werden. Ja, das passiert auch zuweilen. Und, werde ich dadurch Gott? Warum?
Markus sagte
@ wessnet
Gott kann nicht nur Kranke heilen. Er kann auch die Rechte von Menschen vertreten, als Anwalt zum Beispiel. Vielleicht bist du ja dieser Gott. Finde heraus, welcher Gott du bist!
wessnet sagte
Hey, nicht ausweichen
Mailin sagte
„Finde heraus, welcher Gott Du bist!“ – Wieviele gíbt´s denn?
Markus sagte
@ wessnet
Das wird so zur Mode, mir Ausweichen vorzuwerfen. Inwiefern, bitte, weiche ich aus? Dann also nochmal anders: Du wirst nicht Gott, du bist es, indem du tust, was du tust, und nicht tust, was du nicht tust. Als ob Gott immer nur Widernatürliches wirken würde, der arme Kerl, viel zu hohe Erwartungen. „Hey, verdammt, ich hab die Natur erschaffen, reicht euch das nicht, Leute?“! Gott lässt Blumen sprießen und dein Herz schlagen, das ist reine Natur und zugleich göttlich. Gott studiert Jura und wird Rechtsanwalt, arbeitet, wird älter, wird Christ in der Citychurch und bloggt unter dem Namen wessnet. Gleichzeitig sucht er sich dabei selber, übersieht sich aber immer – nicht weil er sich so gut versteckt hat (wobei ein emergenter Rechtsanwalt schon ein verdammt gutes Versteck für Gott ist), sondern weil er als wessnet eine schiefe Vorstellung von seiner Göttlichkeit hat, die sich aus bestimmten Hoffnungen, Erfahrungen und Ängstlichkeiten speist. Weich ich wieder aus?
@ Mailin
Einen natürlich! (Das ist die christliche Antwort.) Unzählige! (Hinduistisch.) Keinen! (Buddhistisch.) Alle Antworten sind richtig, auch dann, wenn jetzt wieder der Ausweichvorwurf kommt. Wer Ohren hat, höre!
wessnet sagte
Ja, in diesem Sommer trägt man den Grimmausweichmanövervorwurf, wahlweise erhältlich in allen postmodischen Farben.
Ausweichen tut man, wenn man Fragen nicht beantwortet, sondern neue Aspekte in die Diskussion wirft. Das kann auch mal ne Antwort sein, aber auch dein letztes Statement ist wiederum keine Antwort auf die Frage, ob ich, wenn ich „Größeres“ tue, Gott werde. Und besonders: Warum?
Deine letzte Anmerkung ist ja schon recht aufschlussreich, du erzählst aber nicht, wie du darauf kommst.
Kann Gott sich nicht stets selbst erkennen?
Wenn alle Götter sind, ist dann nicht niemand Gott?
Dann bliebe über: Es ist, was ist. Oder mal wieder: Gott ist nichts Personales, kein „Wesen“, nichts „Besonderes“. Oder???
Markus sagte
Heiliger Bimbam! Du fragst: „Werde ich dann Gott?“ Ich antworte: „Du bist Gott.“ Womit sich deine Zusatzfrage „Warum?“ erübrigt. Wo wird da ausgewichen?
Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: „Mit dem Vater im Himmel ist es wie mit einem alten Mann, der vergisst, wer er ist, und sich zu Zeiten unter großer Freude daran erinnert. Oder wie mit einem Kind, das sich versteckt hat, aber wehe man findet es – und noch mehr wehe, man findet es nicht. Oder wie mit einem Regentropfen, der in eine Pfütze fällt und nicht mehr herausgeholt werden kann.“
Mailin sagte
Nee, hört sich für mich eher so an, als ob Du dich nicht festlegen willst. Nun- wenn es Dir gut damit geht, dann ist das schön. Das meinte ich eigentlich. Wenn ich das schreiben würde, was Du schreibst, dann weil ich (meiner Meinung nach) Gott verloren habe. Weiß nicht, muss ja nicht schlecht sein. Nur- ich glaube, ich brauche einen Boden, von dem aus ich etwas betrachten kann. Es ist schwer zu kommunizieren, wenn alles mehrdeutig wird. Für mich jedenfalls. Und ich könnte das eben nicht, dieses: Alles ist möglich. Ich brauche etwas, worauf ich mich verlassen kann. Denn wenn ich das sagen würde, dass wir eben alle Gott wären, was wäre das? Was bringt mir so eine Erkenntnis? Letztlich nichts, ist doch nur ein anderes Wort für mich. Dann hat Gott die Bedeutung verloren, die er für mich hat. Und was würde es mir bringen, zu wissen, dass ich aus Angst handle. Wichtiger ist doch die Lösung eines Problems, nicht die Analyse, das, was hilft. Und ich nehme mir eben das, was mir hilft. Das ist doch nicht schlecht.
inge sagte
@wessnet:
Wir können doch Menschen heilen! Jeder Arzt kann heute (theoretisch) Lepra heilen, ja in manchen Bundesländern ist sogar die Lepra überhaupt beseitigt worden, auch im Juliusspital wirst Du vergeblich nach Leprösen suchen, die Deiner Wunderkräfte harren.
Was ist denn für Dich „Grösseres“? Für mich als Ärztin ist ein Rechtsbeistand manchmal etwas „Grösseres“ als Menschen heilen, zumindest in dem Moment, wenn ich selbst in der Patsche sitzt oder mich übers Ohr hauen habe hauen lasse, oder mich selbst übers Ohr gehauen habe(besonders ärgerlich).
inge sagte
@alle:
Was heisst für Euch „Jesus ist auferstanden“?
Mailin sagte
Hey, Inge, ich hab schon ein paar mal an Dich gedacht, aber in letzter Zeit kommen bei mir ja öfters Menschen vorbei, die ich schon fast für tot hielt. Naja, etwas sarkastische Einleitung.
Nun werde ich Dir mal antworten auf das Risiko hin, gleich von Markus aufs Butterbrot geschmiert zu werden…
Ich denke, zuerst einmal ist es das Wissen, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist, dass da noch was kommen wird, wir eben auch auferstehen werden, irgendwie. „Er ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten“ heißt nicht, dass er so lange mein Gott ist, wie ich lebe, sondern dass ich immer leben werde.
Nun steht da aber natürlich die Frage noch im Raum- ich muss gestehen, ich konnte mit der Auferstehung nie viel anfangen-, was Jesus jetzt wohl macht, wenn er immer noch lebt, wo treibt der sich eigentlich rum?? Was das angeht, bin ich noch eher unschlüssig, Jesusbeziehung und so, das gibt es, glaub ich, weiß aber noch nicht genau, wie das zu verstehen ist vom logischen Aspekt her.
Und noch etwas: Dass man rein theoretisch, je nach dem wann Auferstehung der Menschen geschieht, ja auch direkten Kontakt zu Verstorbenen wieder irgendwann haben kann, aber so richtig, real, müsste es geben. Anders.
Für mich persönlich heißt es einfach nur: Das pure Leben. Nicht nur Jesus ist auferstanden, sondern auch ich in ihm.
wessnet sagte
Auferstanden heißt für mich: Jemand war tot und lebt wieder. Jesus war tot und lebt wieder, und mit uns kann das gleiche passieren bzw. ist es schon…
@Markus: Ich weiß nicht viel, aber eines ganz gewiss: Ich bin nicht Gott. Ich gehöre zu Gott, aber das ist something completely different…
Wenn du Gott bist: Woher weißt du das?
wessnet sagte
@Inge: Ja heilen, helfen, dichten, komponieren, Straßen bauen, das können wir. Tote auferwecken eher nicht. Und wenn es passiert, wer „macht“ es? Mir geht es nicht um Hokuspokus, sondern ich bin neugierig auf das Übernatürliche und sehnsüchtig nach Heilung, nach Veränderung, nach…dem Himmel? Wo kein Leid und Schmerz und Geschrei mehr ist. Feine Vorstellung. Und Gottes Reich ist schon angebrochen…
wessnet sagte
Mal so nebenbei: Kommt doch mal wieder ein bißchen runter. Anbläffen ist ja wohl wirklich nicht Sinn der Sache. Ich bin wirklich neugierig darauf, was ihr für Erfahrungen macht, nicht auf Grabenkämpfe wegen Ansichten. Ich bete für uns alle, dass wir auf einen guten Weg kommen, jeder so, wie er es braucht. Echt jetzt…
inge sagte
hey thorsten,
meinst du mit anbläffen mich? „und Gottes Reich ist schon angebrochen..“ das habe ich damit gemeint. kann man das so nicht verstehen? mit dem satz „ich bin gott“ kann ich für mich persönlich (leider?) nichts anfangen,
aber ich finde er nimmt dem reden von gott und jesus das theologisch überhöhte weg. schadet das?
@mailin:
„Nicht nur Jesus ist auferstanden, sondern auch ich in ihm.“ das klingt wie „jesus lebt, mit ihm auch ich“ – das ist ein lied aus dem gotteslob, das ich aber nie verstanden habe, was heisst das? [das ist für jemand katholischen evtl. eine peinliche frage, aber wir loben die anonymität des internet)
wessnet sagte
@Inge: Nein, ich habe dich damit nicht gemeint. Schön übrigens, mal wieder von dir zu hören.
Markus sagte
@ wessnet
Ich weiß nicht, warum du dich so auf das Totenauferwecken kaprizierst. Jeder hat verschiedene Gnadengaben, sagt Paulus, nicht jeder hat dieselben. Und Jesus hat vielleicht das Charisma des Heilers und Auferweckers. Nun gut. Wenn ich das nicht habe, empfinde ich mich deswegen nicht als mangelhaft und ihn nicht als übermenschlich. Jeder muss mit seinen eigenen Pfunden zu wuchern suchen. Darin soll man ihm nachfolgen, nicht im vergeblichen Tun von mir Unmöglichem.
Wenn du sagst: Du bist nicht Gott – ergibt sich für mich die Frage, wer Gott deiner Meinung nach ist. Wenn du Gott als personales Gegenüber verstehst, wirds natürlich ein bisschen schwer, dich in ihm zu sehen. Aber nicht unmöglich – denk an mein Paradigma von Schauspieler und Rolle, die sind „ungeteilt“, doch „unvermischt“; verschiedene „Personen“, doch eines „Wesens“. Das ist Kirchvätertheologie! Und haargenau so verhält sich trinitarisch Jesus zu Vater, haargenau, nachzulesen im frühchristlichen Konzil von Chalkedon (Calcedon). Wenn Jesus der Erstgeborene der Menschen ist, dann sind wir in ihm zu genau demselben geworden.
Wenn man Gott begreift als Liebe, dann ist es sogar noch einfacher, dich in ihm zu erkennen (und darum geht es übrigens bei dem Ganzen: darum, DICH in IHM zu ERKENNEN). Die Liebe ist das wesenhafte Einssein – bei aller individuellen Verschiedenheit. Die Liebe tut genau das: Sie lässt dich, wie du bist, öffnet dir die Augen für dein tiefes Wesen, und – witzigerweise – verändert dich dadurch; dadurch, dass sie dich nicht ändern will, sondern dir nur die Augen öffnet für den Kosmos, auch deinen eigenen. In diesem Sinne bist du mit Gott eins, wesenhaft, und genau so haben das auch die Mystiker erlebt, du solltest dich mal eingehend mit ihnen beschäftigen. In der tiefsten Tiefe, auf der Ebene der Liebe, welche die Schöpfung hervorgebracht hat und am Leben hält, gibt es keine Trennung. Und das – wieder die Mystiker – ist ERFAHRBAR.
Mailin sagte
Ja! Wessnet hat nämlich MICH gemeint und Markus, dich nicht und sich selbst auch nicht. Du bist nur so ganz unbedarft dazu gestoßen… Wobei mir ehrlich gesagt auch nichts am „Anbläffen“ liegt, ich bin nur zurzeit etwas ratlos, fühle mich auch nicht so, als würd ich jemanden anbläffen. Mir sagt das, dass ich Gott bin oder auch nicht, einfach nicht wahnsinnig viel,weiß nicht, was ich damit anfangen soll und so geht´s mir grad bei vielem. Dass der Wurm drin ist, ist mir klar, weiß aber nicht genau, wie ich ihn raus holen soll.
@Inge
Ja klar, das ist so ne Frage, die, wenn man sie beantworten will für andere, sich unweigerlich hoch erhöht anhört, will´s aber trotzdem versuchen. Ich denke, dass Ding ist einfach, dass man mal von diesem historischen Jesus wegkommen und es als Ereignis für die ganze Menschheit sehen muss. Theologisch hieße das: Der alte Mensch ist gestorben (Adam), der neue Mensch(Jesus) ist aber auferstanden. So sind auch wir in Jesus auferstanden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Dir so Theorien weiterhelfen, obgleich sie mir schon weiterhelfen.
Vielleicht ist das so, dass wenn man die Auferstehung von Jesus wirklich in sich durchlebt und erfährt, dass man dann spüren kann, dass man es selbst in sich trägt, dass eben nicht nur dieser eine Mensch, der Jesus aus Nazaret den Tod überlebt und durchlebt hat, sondern auch durch das Totenreich gegangen ist, dass der Tod nun keine Grenze mehr ist.
Durch Jesus bin ich dieser Neue Mensch geworden, in ihm habe ich Leben. In seinem Tod bin ich gestorben und in seiner Auferstehung werde ich auferstehen, weil er nicht nur ein begrenzter Mensch war, sondern eben Gott IST(!!), den wir alle in uns tragen (Christus in mir).
Ich bezweifel, dass Du jetzt mehr verstanden hast, aber vielleicht bin ich da auch nicht der klügste und gebildetste Mensch… Bin selbst noch längst nicht da, mir über alles so im Klaren zu sein und nur, weil ich was glaube, kann ich´s nicht gleich erklären…
wessnet sagte
Ich bläffe schon auch manchmal.
Was Mailin zuletzt ausgeführt hat, ist zu 100 % mein Glaube und meine Erfahrung. Wer das immer wieder gut auf den Punkt gebracht und auch gelebt hat ist Major Thomas von den „Fackelträgern“, einer meiner Glaubenshelden.
Wenn du Mailins Aussagen mit deinen letzten Erklärungen vergleichst (die ich übrigens sehr interessant und ansprechend find, Markus: Glaubst du dann, wir reden durch verschiedene Brillen vom selben? Falls ja, was ist dann für dich Beten oder auch Anbeten? Betest du, und wenn ja, wie? Warum ich das frage? WWeil ich mir die Frage stelle, ob das Wesentliche uns schon berührt hat, wir aber unterschiedliche Techniken pflegen, uns das zu vergegenwärtigen.
Und über allem schwebt auch die Frage, was der Mensch denn falsch machen kann.
Mailin sagte
„Du kannst nichts falsch machen.“ (Logion 2 by beisasse) …
Markus sagte
@ wessnet
Beten ist für mich kein Thema, Anbeten noch weniger. Natürlich reden wir alle von demselben. Aber nicht deshalb, weil uns das Wesentliche schon berührt hätte – das halte ich für spiritualistisch gedacht. Es ist mir zu vorgangshaft, impliziert zu viel spirituelle Entwicklung – die es gar nicht gibt. Es ist nämlich alles schon da. Das Wesentliche berührt uns nicht – wir sind es. Man kann sich dessen mehr oder weniger bewusst sein, das schon – aber an der Wirklichkeit des kosmischen Lebens ändert das gar nichts. Die Wirklichkeit des kosmischen Lebens enthält genauso auch die Ahnungslosigkeit über mein wahres Wesen – und ist damit vollkommen wahr.
Es ist auch keine Frage der Technik, es ist eine Frage des Bewusstseins. Die eigentliche Erkenntnis bei der Erleuchtung ist: dass es gar keine Erleuchtung gibt; dass vielmehr der Verdacht, von Gott, dem Kosmos usw. deswegen getrennt zu sein, weil das Leben weh tut und wenn ich mit Gott verbunden wäre, es mir gut gehen müsste – dass dieser Verdacht irrig war. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“, fragt Jesus. Denn das ist alles, was er in diesem Augenblick fühlt, seine ganze Furcht, jene Furcht, die dein Leben als Ganzes sinnlos erscheinen lässt. Diese Furcht muss er erleben. Aber hat Gott ihn verlassen? Nein, natürlich nicht. Gott ist in ihm drin, er ist Gott. So wie jeder Gott ist. Und zwar: ohne Jesu Vermittlung! Niemand braucht Jesus, um mit Gott verbunden zu sein. Jesus ist Vorbild, Modell, Muster, Vorgänger, Vortäter, Vorbewusster – dem man nachgehen kann, aber nicht muss. Und er wirkt auch nicht gleichsam magisch-sakramental. Er ist nur ein ganz normaler Gott-Mensch. Wie jeder!
Das ist sehr schwer zu akzeptieren. Warum? Weil zum Beispiel die Hoffnung auf Veränderung, auf Linderung, darauf, dass mein momentaner Schmerz irgendwann in Freude münden wird, sich unmittelbar auflöst. So wie bei Jesus am Kreuz. Aber durch diese dunkle Nacht der vollkommenen Hoffnungslosigkeit muss jeder hindurch, und wenn nicht im Leben, dann im Sterben. Davon bin ich überzeugt. Und nur in dieser vollkommenen Nacht wird das tiefe Licht erkennbar.
Gott hilft dem Leidenden nicht. Punkt. Jesus hat er nicht geholfen am Kreuz. So ist das. Nein, er tut das fundamentale Gegenteil davon: Er leidet selbst in Gestalt des Leidenden, mit allen Implikationen, einschließlich dem Gefühl der Gottverlassenheit. Es ist nicht anders.
Und auch das noch: Auferstehung heißt nicht, tot zu sein und wieder zu leben. Nein. Zu sterben und NEU zu leben, das heißt es. Der Auferstandene ist nicht mehr der Jesus seiner Lebenszeit! Wie kommt es zu diesem neuen Leben? Einzig durch das Sterben. Darin selbst ereignet sich schon das neue Leben. Und auch da kann ich nur auf die Mystiker hinweisen. Wiederum: ERFAHRBAR. Und nur deshalb, weil du es in deinem eigenen Leib hier und jetzt erfahren kannst, hilft es dir.
Das ist ja vielleicht auch eine Antwort an inge…
wessnet sagte
„Gott hilft dem Leidenden nicht“ ist aber keine allgemeingültige Antwort. In den Evangelien werden doch Menschen geheilt, und zwar von teilweise „unheilbaren“ Krankheiten, z.B. Blindheit. Nicht durch ne OP, sondern mit Spucke und Sand. Und Lazarus war tot und lebte wieder. Auch heute passiert so etwas noch, Heilungen, die auch für Mediziner wundersam erscheinen.
Ich kenne auch persönlich viele Leidende, die Gottes Eingreifen gespürt haben.
Klar starb auch Lazarus, und der Blinde ist auch tot. Aber trotzdem haben sie erlebt, dass ihnen geholfen wurde.
Der Gott, der Tote auferweckt und Blinde sehen lässt: Hätte der nicht auch Jesus vom Kreuz holen können? Kinderspiel. Wollte er aber nicht. Warum nicht, dass ist zentraler Teil der „guten Botschaft“.
Markus sagte
„Gott hilft dem Leidenden nicht“ ist allgemeingültig genug. Du musst die nur diejenigen anschauen, die unwürdig leiden und sterben, und nicht die wenigen, die das Privileg haben, ihr Glück für sich göttlich zu deuten. Was soll das nützen, diese Rede vom helfenden Gott?
Und dann das: „Hat zwar nicht geholfen, hätte aber können, wollte einfach nicht“. Das erinnert mich an Kinderdialoge: „Isch kann des!“ – „Dann machs doch!“ – „Ätsch, isch wills aba net“. Wen soll das überzeugen? Humbug.
Aber es wird noch schlimmer: Wie und wieso, bitte, ist Gottes Leidenlassen Jesu am Kreuz zentraler Teil der „guten Botschaft“? Das ist eine ganz üble, mit Theologie aufgeblasene Verhöhnung des Leidens, wie sie sich nur hartgesottene Christen erlauben können. Das ist einer der Gründe für ihre gnadenlose Weltferne. Möge der Herr sie vom Erdboden vertilgen!
wessnet sagte
Welcher Herr?
inge sagte
danke für eure antworten, insbesondere für deine ausführliche, markus. irgendein unbestimmtes gefühl sagt mir dass ich mit deiner antwort was anfangen kann, obwohl ich nicht genau weiss was gemeint ist – toll, nicht wahr? NEU zu leben, ist damit gemeint „das leben geht weiter“? das alleine finde ich zu profan. ich wünsche mir schon einen gott der das unmögliche möglich machen kann – so ist meine unbeholfene erklärung der auferstehung, es soll eine chiffre sein für „das unmögliche möglich machen“ – irgenwie. zu so einem gott kann man auch beten (stossgebete z.b.), zumindest wenn man so aufgewachsen ist.
@mailin:
„Theologisch hieße das: Der alte Mensch ist gestorben (Adam), der neue Mensch(Jesus) ist aber auferstanden. So sind auch wir in Jesus auferstanden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Dir so Theorien weiterhelfen, obgleich sie mir schon weiterhelfen.“ nee, hab auch schon probiert das zu verstehen, hilft mir nicht so recht weiter, danke für den versuch! )-:
inge sagte
„gott hilft dem leidenden nicht“. ja, stimmt. aber wieviele psalmenverse gibt es, um gottes hilfe anzurufen – alles humbung? und dann kann der glaube an einen gott der einem helfen kann doch eine hoffnung erzeugen, die einen vor dem aufgeben bewahrt oder?
Markus sagte
@ inge
Ja, du hast Recht mit dem, was du über die Hoffnung schreibst. Ich hab zu dem Thema einen neuen Beitrag eingestellt.