Hoffnung ist der Morgen des Tages. Der wärmende Sonnenaufgang im Sommer. Es ist noch sehr früh im Sommer, wenn die Sonne aufgeht, alles noch still und lind. Stehen in der frühen, ruhigen Sonne ist Hoffnung. Ohne den sich stets in der Nacht verjüngenden Morgen kann der Tag nicht beginnen. Der Morgen wird geboren aus der Finsternis, um sie täglich zu widerlegen. Der Morgen ist das Versprechen des anbrechenden Tages, die Verheißung von Zukunft.
Aber der Morgen ist nicht der Mittag und nicht der Abend und nicht die Nacht. Und er weiß nichts von ihnen, er träumt sie nur. Und in seinem Hintergrund fürchtet er sie.
Im Licht der steigenden Sonne löst der Morgen sich auf wie der Frühnebel, der ihn begleitet und alles in Undeutlichkeit hüllt. Das Undeutliche weicht, die Konturen werden klar, mitunter brilliant, mitunter hart. Wenn die Furcht verblasst, bist du erleichtert. Wenn der Traum verblasst, bist du enttäuscht. Und doch muss beides verblassen, denn der Morgen schwindet.
Wenn du nur am Morgen leben magst, so steh auf in der Frühe, tritt in die zaghafte Sonne und leg dich wieder schlafen. Doch wenn du ihr Licht am Mittag spüren willst, das dich klären und verbrennen kann, so tritt aus dem Morgen. Wenn du dich am blauen Abend ausruhen willst von der Härte und Schönheit des Tages, so lass den Morgen hinter dir. Wenn du den Tod und das Ende wachen Sinnes erfahren willst, die Nacht deines Strebens, das Erlöschen deiner großen Furcht und deiner vorläufigen Freude, so vergiss den Morgen ganz.
Alles stirbt, du kannst nichts daran ändern. Lass leichten Mutes auch die Hoffnung sterben. Sie ist der stärkste Wind in den Segeln deines Aufbruchs und die größte Klippe an der Küste des Ewigen Lebens.