Vergebung
Verfasst von Markus am 7.04.2009
Am Beginn der Vergebung steht die Verzweiflung.
Nach der Verzweiflung kommt die Wut.
Nach der Wut kommt der Hass.
Erst nach dem Hass kommt die Vergebung.
Es ist unmöglich, vorsätzlich zu vergeben.
Man kann nichts überspringen, nicht die Wut, nicht den Hass. Es gibt keine Abkürzung. Du musst durch alles hindurch.
Die Vergebung kommt zu dir. Du machst sie gar nicht. Das Einzige, was du kannst: Sei wach für den Augenblick ihres Erscheinens. Dann gib dich ihr hin.
beisasse sagte
vielleicht! vielleicht kommt dann auch die vergebung. aber das weiss man nicht. da sind die phänomene von verzweiflung, wut und hass einem doch viel bekannter. und nur, weil man sie sich selbst immer wieder verbietet kommt man selten bei vergebung an.
Markus sagte
Ganz genau, das Verbieten ist das Problem.
Mailin sagte
Hey Markus, woher weißt du das??
Vergeben, das ist das schönste Gefühl des Universums, dann fällt alles von einem ab.
wessnet sagte
Ich glaube, du hast recht, ich erlebe das genau so, mit den Fallstricken, die Yotin aufzeigt.
Was mich interessiert: Warum ist das so? Was steckt dahinter?
Mailin sagte
@wessnet
Vielleicht die Denkweise, dass Gedanken „böse“ sind.
Die Todsünde, die da heißt: Zorn.
Höflichkeitsformen.
Gute Erziehung.
Gefühlsverbot.
Zuviel Logik in der Welt (1+1= nicht immer 2)
Angst.
Mangelnde Gedankenfreiheit.
Besorgte Menschen, die es gut meinen.
Menschen, die nicht wissen, dass Hass Gott ist.
Vergebung- das ist, wenn Gott nach einem anstrengenden Tag schläft.
Die Bestie in mir selbst nicht sehen wollen.
Wie schön wäre es doch, wenn man eines Tages die Augen aufmachen könnte und da sein dürfte, der Mensch, der man eigentlich ist. Dann würde einer dem anderen vergeben, aus purem Glücksgefühl, ohne drüber nachzudenken.
Aber die Zeit ist wohl noch nicht gekommen.
Markus sagte
@ Mailin
Obacht! Mir scheint, hier liegt eine Verwechslung von Vergebung und Gefühl vor. Vergebung löst Gefühle aus, keine Frage, und ihr gehen auch welche voran. Aber sie ist keines. So wenig wie Erleuchtung. Oder Glaube. Nicht durcheinanderbringen, bitte!
@ wessnet
Warum du Verzweiflung, Wut und Hass überspringen möchtest? Weil du deinen Schatten fürchtest.
Mailin sagte
Schlaumeier.
derwo sagte
Es ist nicht der Schatten, den man fürchtet; es ist der Schmerz.
Wut und Hass sind Formen von Schmerz. Sie gehen einher mit Schmerz.
Ihnen voran geht Schmerz.
Und Vergebung ist nichts anderes als Erleichterung; eine Form der Dankbarkeit, dass die Zeit den Schmerz vergehen lässt, wie die Sonne Schnee.
Markus sagte
Wut und Hass sind Verdrängungen von Schmerz, die selber welchen erzeugen.
Vergebung ist nicht Dankbarkeit, sondern Loslassen, vielleicht aus Dankbarkeit über das Ende des Schmerzes.
Zeit lässt den Schmerz so wenig vergehen, wie die Sonne auf dem Mount Everest den Schnee schmelzen lässt.
derwo sagte
„Zeit lässt den Schmer …“ – den Schmerz nicht, aber den Hass
Mailin sagte
@Derwo
Zeit lässt die Erinnerung an den Schmerz, den Hass etc. vergehen, sie selbst jedoch nicht. Hass kennt kein Alter. Ihm ist nicht beizukommen, außer durch Liebe. Sie allein löst ihn auf.
derwo sagte
Wenn ich mich selbst beobachte, sehe ich das Gegenteil:
Wenn ich nach Jahren zurückblicke auf jemanden oder etwas, dass ich
gehasst habe, ist die Erinnerung daran noch da; das Gefühl selbst nicht mehr.
wessnet sagte
@Derwo: Einfach so?
Mailin sagte
Ich meinte auch eigentlich damit, dass der Hass zwar aus dem Bewusstsein tritt, nicht aber aus dem Unterbewusstsein. Er ist also noch da, ohne dass man ihn bewusst spürt, wahrnimmt.
An die Geschehnisse drumherum erinnert man sich natürlich ohne Probleme, aber die meinte ich nicht.
Ich glaube, wenn sich doch mit der Zeit Schmerz, Hass, etc. wirklich auflösen, dann liegt das weniger an der Zeit selbst, sondern an Veränderungen, die geschehen, innen und außen, aktiv und passiv (vgl. Frage von wessnet). Das kann sehr langsam oder auch ganz schnell gehen.
Das hat was mit unserer Lebenskraft zu tun, die kann aber nur fließen, sofern wir sie nicht aufhalten, offen für sie sind und offen für uns, für unseren Schmerz und Hass und ihnen zuhören, ihre Weisheit die in uns selbst ist annehmen zu versuchen.
Soweit meine Meinung.
derwo sagte
@ wessnet: „Einfach so“ – Zumindest ohne unser aktives Zutun. Ja.
@ Mailin: „Unterbewusstsein“ wird mir ein bisschen zu sehr strapaziert. (Zudem, nur am Rande, scheint es sowas wie ein Unterbewusstsein nicht zu geben, höchstens das Unbewusste.)
Hass – aber nicht nur er – ist an den Körper gebunden, biochemisch, wenn man so will. Ein solcher Zustand lässt sich nicht aufrecht halten; es würde elvolutionär betrachtet auch gar keinen Sinn machen.
Der Hass löst sich also nach und nach auf und verschwindet.
Ich würde sogar behaupten, dass, was wir als Hass möglicheweise nach Jahren noch spüren als schwachen Rest, ist die Erinnerung an den Hass, an den Schmerz. Nicht aber Hass und Schmerz selbst. Eine Erinnerung an eine Erinnerung.
Auch das, was man landläufig unter Liebe versteht, funktioniert so.
Aber was liegt darunter? Und dassetwas darunter liegt, was nicht an den Köper gebunden ist, scheint sicher. Zumindest habe ich auch das zu beobachten geglaubt.
abitene sagte
ich glaub schon, dass man den Hass überspringen kann, und zwar indem man darum betet. Dass wir unsere Gefühle zulassen sollten, klar, bin deiner Meinung, wegdrücken macht krank oder kommt irgendwie verquer dann raus. Aber das Ziel von uns Christen sollte trotzdem die Beherrschung dieser im Widerspruch zur Liebe stehenden Leidenschaften sein. Geht nur mit Gebet, alles andere ist unecht.
Markus sagte
Warum sollte man darum beten, den Hass zu überspringen? Was ist falsch an Hass, der aus guten Gründen in meinem von Gott erschaffenen Körper entsteht? Er kommt und geht wieder, wenn man ihn gehen lässt, das Problem ist nicht der Hass, sondern das Festhalten. Außerdem ist der Hass keine Leidenschaft, sondern eine psycho-physiologische Reaktion auf Verletzung – das ist was ganz Anderes. Und: Widersprüche zur Liebe gibt es gar nicht, denn alles ist Liebe. Gott ist die Liebe, nicht wahr? Ein Bild von Gott, das irgendetwas im Widerspruch zu IHM sieht, trifft IHN nicht im Mindesten.
Und schließlich: Mit „uns Christen“ meinst du wohl „euch Christen“ und du unterliegst sicher nicht dem Irrtum, ich würde zu eurem Club gehören.