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Archiv für Januar 2009

more Traherne

Verfasst von Markus am 31.01.2009

The world is a mirror of Infinite Beauty, yet no man sees it. It is a Temple of Majesty, yet no man regards it. It is a region of Light and Peace, did not men disquiet it. It is the Paradise of God. It is more to man since he is fallen than it was before. It is the place of Angels and the Gate of Heaven.

Noch ein Text von Traherne, von mir nachgedichtet:

Ewigkeit war greifbar hier im Licht des Tags, und hinter jedem Ding erschien ein Grenzenloses: das sprach zu meinem Schauen und rührte mein Verlangen.
Die Stadt, so schien mir, lag im Garten Eden oder war erbaut im Himmel. Die Straßen waren mein, der Tempel war mein, die Menschen waren mein, ihre Kleider und Gold und Silber waren mein, und auch ihr strahlendes Auge, die helle Haut, das raue Antlitz. Die Himmel waren mein, genau wie Sonne, Mond und Sterne, und alle Welt war mein, und ich ihr einziger Betrachter und Genießer.
Ich kannte nicht mehr kleinliche Regel, nicht mehr Schranke noch Abteilung; denn jede Regel und Abteilung waren mein: jeder Schatz sowohl wie dessen Herr. So sehr war ich verdorben von zu viel Getöse und musste lernen all die trüben Ordnungen der Welt. Die entlern ich nun und werde wieder wie ein kleines Kind, dass ich hineingehe in Gottes Königreich.

(Eternity was manifest in the light of the day, and something infinite behind everything appeared: which talked with my expectation and moved my desire.
The city seemed to stand in Eden, or to be built in Heaven. The streets were mine, the temple was mine, the people were mine, their clothes and gold and silver was mine, as much their sparkling eyes, fair skins, and ruddy faces. The skies were mine, and so were the sun and moon and stars, and all the world was mine, and I the only spectator and enjoyer of it.
I knew no churlish proprieties, nor bounds nor divisions; but all proprieties and divisions were mine: all treasures and the possessors of them. So that with much ado I was corrupted; and made to learn the dirty devices of this world. Which I now unlearn, and become as it were a little child again, that I may enter into the Kingdom of God.)

Thomas Traherne (1636/37 – 1674)

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„Was ist Wahrheit?“

Verfasst von Markus am 30.01.2009

In Joh 18,37f steht dieser Dialog. Jesus sagt zu Pilatus:

„Ich bin für dies geboren und bin für dies gekommen in den Kosmos, dass ich Zeugnis gebe der Wahrheit. Jeder Seiende aus der Wahrheit hört meine Stimme.“ Sagt ihm Pilatus: „Was ist Wahrheit?“
(egô eis touto gegennêmai kai eis touto elêlytha eis ton kosmon hina marthyrêsô tê alêtheia * pas ôn ek tês alêtheias akouei mou tês phônês * legei autô ho Peilatos * ti estin alêtheia.)

Dann geht Pilatus weg, ohne dass eine Antwort erfolgt oder ohne dass er eine abwartet.

Was ist Wahrheit? Jesus spricht von der Wahrheit, das tut er wiederholt, immer im Singular. Was ist die Wahrheit? Das fragt Pilatus nicht, ist das ein Zufall? Fragt er nach dem Falschen? Warum keine Antwort? Weil Pilatus kein wirkliches Interesse hat? Weil Jesus keinen Sinn sieht in einem Disput? Weil es keine Antwort gibt, die man in Worte fassen kann?

Kennt Johannes die Wahrheit? Weiß er, von was er schreibt? Ist er ein Mystiker?

Der Wahrheit Zeugnis geben sei Ziel seines Lebens, sagt Jesus. Was kann das sein, die Wahrheit? Zeugnis geben. Durch seine schiere Existenz? Geboren, um Zeugnis zu geben.

Wer auch immer aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. Er versteht, was ich sage? Wer Ohren hat, der höre? Und wer nicht wie er aus der Wahrheit ist, versteht nicht? Ist das eine Remininszenz des Verstockungsbefehl Jes 6,9: „Hört ein Hören und versteht nicht und seht ein Sehen und erkennt nicht!“ – nur positiv gewendet?

Er sei in den Kosmos gekommen, sagt Jesus. Von wo? Aus einer überkosmischen Welt? Ja… aber wer könnte dort wohnen außer dem EINEN?

Sind die Worte der Schrift wahr? Kann Widersprüchliches in gleicher Weise wahr sein? Ist die Wahrheit symphonisch (H. U. v. Balthasar)? Ist die Wahrheit die Summe alles Existierenden? Der Querschnitt, die Quintessenz? Was ist die Wahrheit?

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Dunkel

Verfasst von Markus am 27.01.2009

Du sitzt im dunklen Raum. Du sitzt am Rand des Nirgendwo.
Angst.
Du willst weg? Tu es, folge der Angst, und du bist ihr Sklave.
Lauf nicht weg. Halt aus, nur zwei Augenblicke länger. Mach die Augen weit auf, mach alle Sinne weit auf, denn dazu hast du sie. Damit das Dunkel in dich eindringt, endlich.
Siehst du das Dunkel? Oder siehst du noch deine Angst davor? Dann ist das Dunkel nicht in dir.
Lass es ein.
Fühl den Faden Sehnsucht. Riech die ferne Blume.
Siehst du, was im Dunkel kommt? Zu dir? Was um dich wirbt?
Im Dunkel?
Nein, es ist nicht mehr deine Hoffnung.
Gott ist es.

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Holotropes Atmen

Verfasst von Markus am 24.01.2009

Holotropes Atmen ist eine von Stan und Christina Grof entwickelte therapeutisch-sprituelle Methode. Durch eine spezielle Atemtechnik – schnelleres und tieferes Atmen – gelangt man in einen leichten bis tiefen Trancezustand, in dem das Alltagsbewusstsein mit all seinen Wertungen und Distanzierungen zurücktritt und etwas anderes an Tageslicht kommen kann, Unbewusstes oder Überbewusstes. Dieses andere, was Gestalt wird, ist immer schon verborgen da. Oft handelt es sich um traumatische Erlebnisse, die verdrängt wurden, und nun die Möglichkeit bekommen, zu heilen. Oft sind es Erlebnisse, die mit Erinnerungen, eigenen oder fremden, zu tun haben. Es kommt aber auch zu transpersonalen Erlebnissen, zu sprituellen Erfahrungen (s. Transpersonale Psychologie). Erfahren wird immer nur das, was aktuell nötig oder möglich ist, damit der Mensch heiler wird.

Das Holotrope Atmen unterscheidet sich von drogeninduzierten bewusstseinsverändernden Methoden dadurch, dass die Trance nie so tief ist, dass man aus dem Prozess nicht mehr aussteigen könnte. Man bewahrt immer ein doppeltes Bewusstsein.

Ein Atemprozess dauert durchschnittlich zwei bis vier Stunden. Der Atemprozess wird unterstützt und angeregt durch (laute) Musik, die die verschiedenen Phasen des Prozesses begleitet.

Das Atmen geschieht in einer vollkommen geschützten Atmosphäre. Jeder Atmende hat einen Begleiter (sitter) an seiner Seite, der ihn schützt, der ihm hilft, der ganz auf seine Bedürfnisse eingeht, der ihm ganz zugewandt ist. Erfahrene und ausgebildete Therapeuten überwachen den Prozess und greifen helfend ein. So entsteht ein Raum, in dem alles gedurft wird, weinen, lachen, schreien, schweigen, tanzen, ruhen, alles. Und alles ohne Einschränkung.

Das Holotrope Atmen ist für mich eine der Schlüsselerfahrungen auf meinem Weg. Die Entwicklungen, die Heilungen, die hier in Gang gekommen sind, wären durch eine Psychotherapie nicht zu erreichen gewesen, vermutlich nicht einmal nach Jahren.

Ein häufig auftauchendes Phänomen im holotropen Atemprozess ist das Wiedererleben der eigenen Geburt. Stan Grof hat gezeigt, dass sich an das Geburtstrauma gern andere, oft traumatische Erinnerungen gleichsam anlagern. Die Geburt mit ihren verschiedenen Phasen ist ein Muster und Bild für viele Übergangssituationen. Harmonische, symbiotische Einheit im Mutterleib – Beengung, ganz physisch, Todesangst während der Austreibungphase, in der das Alte endet und ein Neues noch nicht erkennbar ist – Erlösung und neues Leben nach der Geburt. Ich habe das auch erfahren. Das bewusste Nacherleben ist heilend. Ich habe gelernt, wie viel der Säugling wahrnimmt, wie viel Furcht, wie viel Qual. Das Erinnern ist der Beginn der Befreiung.

Ich wurde mit der Nabelschnur um den Hals geboren. Ich habe Todesängste ausgestanden, auch nach der Geburt noch, ich fühlte mich, als würde ich sterben. In einem anderen Atemprozess habe ich erlebt, wie ich als fünf- oder sechsjähriges Kind von zwei Männern ergriffen und erhängt wurde. Das Strangulationsgefühl macht plötzlich, auf kaum näher zu erklärende Weise, Sinn. Es ist ein altes Trauma, das sich fortsetzt und wiederholt, bis es ins Bewusstsein dringt. Dann kann es heilen. Dieses Beispiel lässt die Wirkungsweise des Holotropen Atmens vielleicht erahnen.

Es geht beim Holotropen Atmen um Heilung in einem sehr weiten Sinn. Der biographisch traumatsierte Mensch kann heil werden. Aber auch das Gefühl der Trennung von Gott, welchen Namen auch immer ich für ihn habe, ist im weiteren Sinn ein Trauma, und auch das kann heilen. Es ist sehr vieles möglich beim Holotropen Atmen.

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Wohlgefühl, Scheißgefühl

Verfasst von Markus am 22.01.2009

Wenn man sich darauf einlässt, sich gut zu fühlen, wenn andere einem sagen, man sei okay, schafft man damit die Voraussetzung dafür, dass es einem schlecht geht, wenn andere einem sagen, man sei nicht okay.

Gestern bei Anthony de Mello in seinem Buch „Der springende Punkt“ gelesen, wunderbares Buch!

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Worauf es ankommt

Verfasst von Markus am 22.01.2009

Der Buddha sagt:

Wenn ein Mensch von einem Pfeil getroffen wird, was wird er tun? Wird er sich fragen: Was ist das für ein Pfeil, aus welchem Holz ist er gemacht, von wo ist er gekommen, wer hat ihn abgeschossen, warum hier, warum jetzt? Nein, es wird ihm einzig darum gehen, den Pfeil herauszuziehen.

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Freiheit und Illusion

Verfasst von Markus am 19.01.2009

Freiheit ist das Ende der Illusion, unfrei zu sein.

Illusion bedeutet nicht, dass etwas nicht ist, sondern dass es anders ist, als es aussieht. Der Illusionist lässt die Dame schweben, aber in Wirklichkeit schwebt gar nichts, da sind nur ein paar gut versteckte Drähte. Wenn man sie entdeckt, lacht man sich schlapp über so einen simplen Trick.

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no skin available

Verfasst von Markus am 16.01.2009

Der Extremdenker und -handler Ken Wilber schreibt, er habe sich für das Verfassen seines opus magnum „Eros, Kosmos, Logos“ drei Jahre lang in seinem Haus eingeschlossen und zu keinem Menschen Kontakt gehabt. Er erzählt, er habe regelmäßig jeden Morgen erst einmal bitterlich geweint, und sein schlimmster Schmerz war der schiere Verlust jedes Hautkontaktes.

Haut. Lebensnotwendig für den Säugling, wissenschaftlich erwiesen. Aber für den erwachsenen, autonomen, vollsinnigen Menschen? Haut? Mein Vater hat immer wieder den Witz gemacht, die Haut heiße Haut, weil man darauf haut. So hatte er es wohl erlebt.

Haut. Oberfläche. Kontaktstelle. Berührung. „Ich weiß, ihr berührt euch so selig, weil die Liebkosung verhält, weil die Stelle nicht schwindet, die ihr, Zärtliche, zudeckt; weil ihr darunter das reine Dauern verspürt“, sagt Rilke in der zweiten Elegie.

Eine Zeit lang bin ich dem Irrtum aufgesessen, ich müsse meinen Kindern in ihrer Wut oder ihrer Verzweiflung gut zureden. Mittlerweile habe ich entdeckt, dass das schlichte Streicheln und In-den-Arm-Nehmen jedes Problem komplett lösen kann.

Leiden wir unter einem Verlust an Haut? Sehen tun wir sie allenthalben. Aber die Berührung. Das feine Fühlen. Was geschähe mit uns, wenn wir ständig anderer Menschen Haut spüren könnten? Kriege, Hass, Verzweiflung? Was geschähe?

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Vollmond

Verfasst von Markus am 11.01.2009

Gestern war Vollmond. Da ist mir ein Gedicht von Rumi wieder in den Sinn gekommen, dem ich im Benediktushof in Holzkirchen öfters begegnet bin. Es berührt mich jedes Mal, wenn ich es lese, aufs Neue.

„Im Innern dieser neuen Liebe, stirb.
Dein Weg beginnt auf der anderen Seite.
Werde der Himmel.
Richte die Axt wider die Gefängniswand.
Entkomme.

Tritt ins Freie, wie jemand, der plötzlich in Farbe geboren wird.
Tu es jetzt. Du bist von dichten Wolken eingehüllt.
Stiehl Dich seitlich heraus. Stirb und sei still.

Stille ist das sicherste Zeichen, dass Du gestorben bist.
Dein altes Leben war eine fieberhafte Flucht vor der Stille.
Der sprachlose Vollmond kommt eben jetzt hervor.“

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Verfasst von Markus am 2.01.2009

Nochmal alles auf Anfang. Reboot.

Ich verstecke mich hinter einer intellektuellen Fassade. Ich dresche Altherrensätze. Ich gehe die Dinge zu verkopft an. Ich gebe vor, zu wissen. Ich nehme Verletzungen anderer in Kauf im Namen einer Wahrheit. Solches bekam ich in letzter Zeit zu hören. Das will ich nicht gern hören, ich bestreite es zuerst. Und trotzdem liegt darin die Wahrheit.

Reboot. Mich selbst neu erfinden.

In Wirklichkeit: Was weiß ich schon? Sokrates sagt: „Was ich nicht weiß, glaube ich auch nicht zu wissen.“ Das möchte ich auch sagen können. Zu oft glaube ich mehr zu wissen, als ich weiß.

Und was ist schon Wissen, benutzt, um mich selber ins rechte Licht zu rücken? Um mir selber glaubwürdiger und wertvoller zu erscheinen? Nur tönendes Erz und lärmende Pauke. Wenn ich die Liebe nicht habe.

Liebe. Wohin? Zu mir. Die Liebe zur eigenen Haut. Sie ist schwer, aber ohne sie? Doch sie will weiter. Die Liebe nicht aufhalten an den Grenzen der eigenen Haut. Noch schwerer? Für mich schon. So viel Angst vor dem Draußen. So viel Traurigkeit. Und doch: „Leben, Leben, Draußensein“, schreibt Rilke kurz vor seinem Tod. Ich will sie lernen, die Liebe.

„Liebe und Freundschaft sind das Bemühen, den Kreis zu erweitern und die verloren gegangene Einheit wiederzufinden“, sagt eine indianische Weisheit.

Das ist der Versuch, wieder einmal neu anzufangen. Ich bitte um Verzeihung all jene, die ich vertrieben, verscheucht, verletzt habe, Lebende und Tote, Brüder, Schwestern, Ahnen. Ich gelobe nichts, weil ich nicht kann. Aber ich will den Kreis zu erweitern suchen. Ich will mehr fragen und weniger wissen. Ich will weicher werden statt schroffer. Traurig bleibe ich vorerst. Aber ich will trotzdem zärtlich sein. Wie das geht? Was weiß ich! Ich will es jedenfalls.

Ich will mich mehr und mehr verbinden mit allem, was ist. Weniger und weniger mein kleines Gesicht wahren, abwenden, verkleiden.

Welt, hier bin ich.

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