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Archiv für Dezember 2008

Feuer

Verfasst von Markus am 19.12.2008

Warum lieben wir so den offenen Kamin, das offene Lagerfeuer?

Ich glaube, wir lieben es so, weil wir es kennen. Wir alle sind damit aufgewachsen, wir haben damit gelebt, zehntausende Jahre lang. Wir haben es nicht vergessen, es steckt tief in uns, in unserem kollektiven Gedächtnis.

Selbstvergessen schauen wir in die Flammen, weil wir etwas wieder erkennen. Uns selbst. Unser aller Vergangenheit. Unsere unendliche Freiheit. Unser reineres Menschsein. Einst saßen wir alle um das Feuer. Das Feuer war uns einziges Licht, einzige Wärme im Dunkel und in der Kälte. Ein Geschenk der Gottheit. Was wären wir ohne das Feuer?

Das Feuer brennt immer, immer. Immer in uns. Und machmal, wenn es außen brennt (viel zu selten in unserer zivilisierten Welt), dann ahnen wir das inwendige Feuer. Das Licht und die Wärme.

Dann der Geruch, der Geruch von verbrennendem Holz, das sich für uns – opfert. Man muss die Augen schließen und tief riechen, dann klingt die Dankbarkeit an und die Erinnerung, die uralte, aus den Zeiten, wo die Welt noch Stoff war, unser Stoff, wir bestanden aus Welt und wir wussten es. Wir bestanden aus Feuer. Wenn wir hineinschauen, ahnen wir es.

Das Feuer war das Zentrum unseres Stammes, unserer Sippe, unserer Familie. Das Feuer war der Raum, in dem das Vergangene gegenwärtig wurde. Die Geschichten der Ahnen ereigneten sich am Feuer. Und das tun sie heute noch.

Beobachte die Stimmung von Menschen am offenen Feuer. So ruhig, so ruhend. Beobachte dich. Genieß es. Lausche dem Feuer, schmecke es, erinnere dich. Das ist der Weg des Feuers.

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Weihnachten

Verfasst von Markus am 16.12.2008

Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht zu Weihnachten, Inkarnation und Reinkarnation. Der Text ist dann doch etwas länglich geworden…

Deshalb eine eigene Seite: Re- und Inkarnation.

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Being Master

Verfasst von Markus am 16.12.2008

When you’re a Master the only person you ask what to do is yourself.

You don’t ask anyone else what to do. You ask them for their help and assistance. Then you watch the results.

When you’re a Master you don’t always know what to do. But this you know. And you have learned to wait until you know what to do.

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Zwei Wege

Verfasst von Markus am 14.12.2008

Es gibt zwei Wege: den yogischen und den tantrischen.

Der yogische: Zieh dich zurück aus den Verstrickungen des Geistes. Werde klaren Bewusstseins. Des Bewusstseins, dass du Gott bist. Meditiere. Bete. Versenke dich in den Urgrund. Werde eins damit. Erkenne deine wahre Natur. Lass alle Täuschung fahren. Löse dich. Werde leidensfrei. Werde nie mehr wiedergeboren. Erkenne deine Unsterblichkeit. So wirst du frei.

Der tantrische: Tauch ein in die Verstrickungen des Geistes. Werde eins mit ihnen. Benutze sie. Gebrauch alles, was du kriegen kannst. Meditiere nicht. Lass dich täuschen und erkenne: Die Täuschung ist nichts anderes als Gott. Dein Körper ist es. Dein verstricktes Bewusstsein. Habe den Mut, ein verblendeter Buddha zu sein. Leide. Erkenne deine Sterblichkeit. So wirst du frei.

Ich wähle den tantrischen Weg.

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Wer bin ich?

Verfasst von Markus am 14.12.2008

Meine Haut regeneriert sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit, wie man sehen kann, wenn eine Wunde heilt.

Jede Hautzelle wird ersetzt durch eine neue.

Aber das ich noch nicht alles. Jede einzelne Zelle meines Körpers wird im Laufe der Zeit ersetzt, jede noch so kleine Zelle in jedem noch so versteckten Organ meines Körpers. So dass nach ungefähr sieben Jahren (sieben, ja, so erinnere ich mich, es gelesen zu haben) jede der Milliarden Zellen meines Körpers neu ist. Von derselben Art, mit derselben Information, aber nicht dieselbe. Nicht dieselbe.

Wie kannst du da sagen: Mit sechs wurde ICH eingeschult?

Wer wurde eingeschult?

Und was macht dich glauben, DU wärst es gewesen?

Dein Gedächtnis, auch dein instinktives Gedächtnis täuscht dich über die Wahrheit. Die Wahrheit ist: du stirbst in jedem Augenblick. Und wirst in jedem Augenblick neu geboren. In jedem Augenblick.

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Heiliges Leben

Verfasst von Markus am 11.12.2008

Zu einem weisen Mann, der in den Wäldern hauste, kam einmal ein Jüngling und sprach: „Meister, Ihr kennt die Geheimnisse von Geburt und Tod und von dem, was dazwischen ist. Sagt mir: Was muss ich tun, um ein heiliges Leben zu führen?“
Der Meister sagte: „Bring mir zunächst einen Zweig vom Baum des Lebens.“
Der Jüngling erschrak und erwiderte: „Meister, wie soll ich das? Ach nein, das vermag ich nicht.“
„So kannst du auch kein heiliges Leben führen“, sagte der weise Mann und widmete sich einer Zigarette.
Der Jüngling ging hinweg, betete, arbeitete, so wie er es immer getan hatte, und gab sich nun noch mehr Mühe als zuvor. Doch wie er ein heiliges Leben führen könne, das wusste er nicht.

Die Frage trieb ihn aber um und um, und eines Tages, einige Jahre später, als er bereits lange kein Jüngling mehr, sondern ein erwachsener Mann war, ging er wieder zu dem weisen Mann:
„Meister, was muss ich tun, um ein heiliges Leben zu führen?“
„Bring mir zunächst einen Zweig vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, beschied ihm der weise Mann.
Der einstige Jüngling hatte eine solche Entgegnung bereits befürchtet, erschrak deshalb nicht, wurde stattdessen bekümmert, und im Fortgehen sah er noch, wie der weise Mann seine Aufmerksamkeit einer Zigarette zuwandte.
Der Mann ging nach Hause und wurde erbittert. Er sprach bei sich: „Dieser weise Mann hält mich zum Besten. Ist er überhaupt ein weiser Mann? Warum gibt er keine rechten Antworten, sondern stellt mir unsinnige Aufgaben? Und seit wann rauchen weise Männer Zigaretten? Wenigstens doch Pfeife!“

Der Mann betete, arbeitete wie bisher, doch seine Erbitterung wuchs, und nach vielen Jahren, am Ende seines Lebens war er ganz erfüllt davon und beschloss, noch einmal vor den weisen Mann zu treten.
„Meister“, sprach er mit finster drohender Miene, „was muss ich tun, um ein heiliges Leben zu führen?“
Der Meister antwortete: „Bring mir zunächst einen Zweig von jenem Weidenbaum dort drüben.“
Der Mann war verblüfft und sein Gesicht hellte sich auf. Er lief, so schnell ihn seine alten Beine trugen, zu dem Weidenbaum, brach einen Zweig und eilte damit zu dem weisen Mann zurück.
Der weise Mann bedankte sich mit einer tiefen Verbeugung und streckte den noch feuchten Zweig lange in ein Feuer, das neben ihm brannte. Schließlich war er trocken genug und entflammte. Der weise Mann nahm ihn aus dem Feuer und entzündete sich eine Zigarette.
Nachdem er sie still zuende geraucht hatte, hielt der Besucher es nicht mehr aus:
„Meister!“ rief er. „Sagt mir endlich: Was muss ich tun, um ein heiliges Leben zu führen?“
„Nun musst du nichts mehr tun“, sagte der weise Mann. „Du hast mir einen Zweig vom Baum des Lebens, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und von dem Weidenbaum geholt.“
„Ach, Meister“, entgegnete der Mann traurig, „habt Ihr’s vergessen? Vom Baum des Lebens und vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse vermochte ich Euch keinen Zweig zu bringen.“
Der weise Mann hielt den angebrannten Zweig in die Höhe und fragte:
„Und wofür hältst du dies?“
Da geschah im Herzen des Mannes etwas wie das Öffnen einer Faust. Er setzte sich, entzündete sich eine Zigarette, rauchte sie in vollkommener Ruhe zuende und fiel im nächsten Augenblick so belustigt wie tot zu Boden.

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Appointment in Samarra

Verfasst von Markus am 9.12.2008

… von mir rezitiert nach W. Somerset Maugham (1933), erstmalig gesehen in Peter Bogdanovichs „Targets„, ein toller, unterschätzter Film mit Boris Karloff in seiner letzten Filmrolle.

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Noch mehr Rilke

Verfasst von Markus am 8.12.2008

Aus irgendwelchen Gründen habe ich noch eine Rilke-Aufnahme gemacht, die neunte Elegie.

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Ich habe jetzt eine eigene Seite aufgemacht, mit allen Aufnahmen. Wenn es so weitergeht, kommen ja vielleicht noch welche dazu…

Warum Rilke? Das ist schwer zu sagen. Es ist die Sprache. Mir ist so eine Sprache, so eine im ureigensten Sinn kreative Sprache, noch nie zuvor begegnet. Zwischen, unter, hinter den Worten entsteht eine neue Wirklichkeit. Man ist nicht immer aufmerksam genug dafür. Aber manchmal versteht man. Und dann – ist es ein mystisches Erlebnis.

Tatsächlich gibt es nicht wenige, die Rilke für einen mystischen Dichter halten. Ganz ohne Zweifel hat er etwas erfahren, etwas Besonderes, das sich bei ihm unter anderem im Wort „Engel“ ausdrückt.

Rilke hat sich unglaublich verändert im Laufe seines Schreibens. Seine frühen Gedichte, die ich zuerst lieben gelernt habe, atmeten deutlich Romantisches, fin-de-siècle-Stimmung, décadence, Melancholie, Wehmut – sprachlich zum Teil wenig originell. Aber schon der frühe Rilke hat oft die besondere Ahnung.

Dann kam ein spanischer Zwischenfall. Rilke begegnete, sah, was er später den „Engel“ nannte.

Der späte Rilke ist ein souveräner Herr der Sprache. Auch wenn seine Werke unter Mühen entstehen: Seine Sprache hat die Barrieren überschritten. Auch die Barrieren der Verständlichkeit? Vielleicht.

Die Elegien hab ich ebenfalls schon früh kennen gelernt. Aber nichts davon verstanden. Schade, fand ich. Wo sie doch so schön klingen. Wirklich hundertemale habe ich sie gelesen inzwischen, und immer wieder, Stück für Stück, erschloss sich mir etwas. Und das war zugleich etwas in mir selber.

Noch immer gibt es viel zu erschließen…

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Rilke, Erste Duineser Elegie

Verfasst von Markus am 4.12.2008

Die zehn Duineser Elegien, geschrieben von Rainer Maria Rilke auf Schloss Duino 1912-1922, hier die erste.

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Blaues Haiku

Verfasst von Markus am 4.12.2008

Blauer Abend.
Zwei Amseln, schwarz,
hinterlassen keine Spur.
Er ist groß und weich,
und lächelt freundlich.

Er hat mich überrumpelt
mit seiner Bläue.
Blaue Stunde, Schönheit.
Nirgendwo muss hingegangen werden.
Ruhe in Blau.
Amseln in Schwarz, singend,
wie schweigend.
Offenes Auge des Himmels.
Zeit in Blau,
festgeworden, groß, tief.
Blauer Atem, blauer Duft.
Und ich selbst in Blau,
schauend, schweigend.

Und satt und satter trinkt der Abend sich
an Bläue,
voll und voller.
Jetzt wird er müd,
die Hausfassaden gähnen,
sie haben sichs verdient.
Die Fensterläden werden schwer
wie Lider.
Birkenstämme, weiß,
mit blauem Schleier.
Hier bin ich zu Haus.

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